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GPS für LDL

Ganzheitliche Produktionssysteme für Logistikdienstleister
Entwicklung eines Managementinstrumentariums für Logistikdienstleister zur Leistungsoptimierung auf Basis der Prinzipien ganzheitlicher Produktionssysteme*

 

 
 

Problemstellung

Logistikdienstleister (LDL) sind als Anbieter von logistischen Kernleistungen zwischen Produzent und Kunde ein wichtiges Element der Supply Chain. Bedingt durch das zunehmenden Bestreben der Industrie zur Konzentration auf eigene Kernkompetenzen, bekommen LDL die Möglichkeit, zusätzlich zu den klassischen, zwischenbetrieblichen Logistikleistungen, die gesamte unternehmensinterne Logistik des Kunden und weitere Aufgaben (z. B. einfache Montagetätigkeiten) zu übernehmen. Dieses erweiterte Aufgabenspektrum erfordert umfangreiche organisatorische Methodenkompetenz.

 

Logistikdienstleister

Anforderungsvielfalt an die logistische Leistungserstellung

 

In produzierenden Unternehmen wird diese häufig durch den Einsatz Ganzheitlicher Produktionssysteme (GPS) sichergestellt. GPS sind als hierarchische Rahmenwerke zur Einordnung und Klassifizierung organisatorischer Prinzipien und Methoden zu verstehen und haben ihren Ursprung im Toyota Produktionssystem. Ausgehend von der Automobilindustrie verbreiten sich GPS in zahlreichen Wertschöpfungsketten und Branchen. Von besonderer Bedeutung ist, dass bislang keine Übertragung dieses Konzepts auf LDL stattgefunden hat, obwohl nahezu die Hälfte dieser Prinzipien und Methoden dem Bereich der Logistik zuzuordnen sind.

 

Zielsetzung

Angesichts der Zunahme des Leistungsspektrums von Logistikdienstleistern und der Verbreitung von GPS in produzierenden Unternehmen zahlreicher Branchen und Wertschöpfungsstufen, ist es vorrangiges Ziel des Forschungsvorhabens, die Auswirkungen dieser Entwicklungen intensiv zu durchdringen, um darauf aufbauend ein angepasstes GPS-Referenzmodell für Logistikunternehmen zu entwickeln. Mit diesem Modell werden die Grundlagen, Prinzipien und Methoden von GPS in ein angepasstes Managementinstrumentarium für Logistikdienstleister überführt, gezielt ergänzt und für diese nutzbar gemacht, so dass sich LDL die zukünftig im Wettbewerb erforderliche GPS-Methodenkompetenz aneignen können. Dazu sind folgende zentrale Forschungsfragen zu beantworten:

  • Welche der in Produktionsunternehmen eingesetzten GPS-Bausteine sind für Logistikdienstleister von Relevanz bzw. welche zusätzlichen, von Logistik- und Dienstleistungsunternehmen angewandten Prinzipien und Methoden zur Organisation der Leistungserstellung sind in ein angepasstes Managementinstrumentarium aufzunehmen?

  • Wie sind die Schnittstellen zwischen den Produktionssystemen der Kunden bzw. Lieferanten und dem Pendant auf Seiten des Logistikdienstleisters zu gestalten und wie kann für dessen System die angesichts unterschiedlicher unternehmensspezifischer Ausgestaltungsformen bei Kunden und Lieferanten erforderliche Flexibilität erzielt werden?

Neben der Unterstützung klassischer, operativer Logistikprozesse beschäftigt sich das Managementinstrumentarium insbesondere auch mit den Besonderheiten des indirekten Bereichs (u. a. Planung und Steuerung komplexer logistischer Leistungen, Integration in die Abläufe beim Kunden) und der produktionsähnlichen bzw. -nahen Bereiche bei Logistikdienstleistern. Dazu sind die spezifischen Einsatzbedingungen und Anforderungen an eine gezielte methodische Unterstützung der betroffenen Prozesse zu ermitteln sowie die erzielbaren Nutzeneffekte für den Dienstleister und seine Auftraggeber herauszuarbeiten. Im Rahmen der unternehmensspezifischen Konfiguration und Adaption des Referenzmodells ist zudem die Integration zusätzlicher Prinzipien und Methoden systematisch zu unterstützen. Schließlich werden die Forschungsstellen – aufbauend auf den existierenden Erfahrungen anderer Branchen und Unternehmen – Richtlinien zur Implementierung des Managementinstrumentariums sowie kritische Erfolgsfaktoren für die Anwendung von GPS bei Logistikdienstleistern ableiten.

 

Vorgehensweise

Um Logistikdienstleister bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem GPS-Thema und der Ableitung und Umsetzung von unternehmensinternen, organisatorischen Maßnahmen zu unterstützen, wird ein Managementinstrumentarium erarbeitet, das sie mit den Entwicklungen im industriellen Sektor vertraut macht und beim Aufbau, bei der Einführung und bei der Optimierung von auf ihre spezifischen Anforderungen zugeschnittenen Konzepten unterstützt. Im Einzelnen sind dazu folgende Vorgehensweise vorgesehen:

  • Ein umfangreiches GPS-Referenzmodell wird die in bestehenden Produktionssystemen des industriellen Sektors und im Logistikdienstleisterumfeld eingesetzten Prinzipien und Methoden, die für die Aufnahme in ein GPS für LDL in Frage kommen, bündeln und strukturieren. Die aufzunehmenden Bestandteile sind dabei nicht nur an den traditionellen, operativen Leistungserstellungsprozessen (Transport, Umschlag, Lagerung) aus-zurichten, viel¬mehr ist für eine adäquate methodische Unterstützung des gesamten Leistungsspektrums der Dienstleister zu sorgen (z. B. auch Planung logistischer Leistungen, Restfertigungsumfänge).

  • Die auf dem allgemeingültigen Referenzmodell aufbauende Konfiguration eines unternehmensspezifischen GPS wird durch ein Bewertungssystem unterstützt, welches vor dem Hintergrund der unternehmerischen Strategien und Rahmenbe-dingungen von Logistikunternehmen geeignete Bausteine vorschlägt und die Erweiterung des GPS-Baukastens um zusätzliche Komponenten ermöglicht.

  • Um Logistikunternehmen nach der Konfiguration eines Ordnungsrahmens auch bei dessen Einführung und Verankerung zu assistieren, wird – aufbauend auf bekannten Vorgehensweisen in anderen Branchen – ein GPS-Implementierungsleitfaden für LDL entwickelt. Angesichts der spezifischen Besonderheiten im LDL-Umfeld, die z. B. aufgrund der Vielzahl unternehmensübergreifender Schnittstellen durch den Kontakt zu Produzenten und Kunden entstehen, wird dieser Leitfaden ebenfalls auf die Bedürfnisse der Dienstleister zugeschnitten, indem u. a. Richtlinien zur GPS-Schnittstellengestaltung und zur Einbindung der Supply Chain (Kopplungs-möglichkeiten an das Produzenten- bzw. Kunden-GPS) integriert werden.

  • Ein auf die logistischen Leistungserstellungsprozesse abgestimmtes Kennzahlensystem für LDL dient zum Controlling der Implementierung sowie zur Erfolgskontrolle und weiteren Optimierung der GPS-Anwendung im Dienstleistungsumfeld.

Anknüpfend an den „Anwenderkatalog“, der ein Ergebnis eines bereits abgeschlossenen darstellt, werden die Ergebnisse des geplanten Projektes entsprechend aufzubereitet und in einem verknüpften Anwenderkatalog zugänglich gemacht.

 

Anwenderkatalog

Aufbereitung und Bereitstellung der Ergebnisse in einem internetbasierten Anwenderkatalog

 

Um allen interessierten Unternehmen dabei einen einfachen Zugriff auf die Projektergebnisse zu ermöglichen, wird der Anwenderkatalog im Internet (unter www.modernisierungskonzepte.de) zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Veröffentlichungen

  • Deuse, J.; Keßler, S.; Wischniewski, S.: Ganzheitliche Produktionssysteme für Logistikdienstleister - eine Aufgabe für die nahe Zukunft. In: Jahrbuch Logistik 2006, S. 46-51.
  • Droste, M.; Keßler, S.; Uygun, Y.: Ganzheitliche Produktionssysteme für Logistikdienstleister. In: Zeitschrift für Wirtschaftlichen Fabrikbetrieb, Bd. 103, Heft 9/2008, S. 594-597.
  • Keßler, S.: Gestaltungsrahmen Ganzheitlicher Produktionssysteme bei Logistikdienstleistern.In: Jahrbuch Logistik 2009, S. 271-276.
  • Kuhn, A.; Deuse, J.; Keßler, S.; Droste, M.: Developing an organisational framework based on lean production for logistics service providers. In: Logistics Research, 1 (2009) 2 (eingereicht).
  • Kuhn, A.; Deuse, J.; Keßler, S.; Droste, M.: Endbericht: Ganzheitliche Produktionssysteme für Logistikdienstleister. Technische Universität Dortmund, Dortmund, Oktober 2009.
  • Keßler, S.: Entwicklung eines Gestaltungsrahmens für Ganzheitliche Produktionssysteme bei Logistikdienstleistern. In: Kuhn, A. (Hrsg.): Reihe Fabrikorganisation, Dissertation, Verlag Praxiswissen, Dortmund, 2008.
  • Keßler, S.: Lean Logistics Service Provider – Geschäftsmodell für den Logistikdienstleister der Zukunft? Beitrag auf logistics.de in der Rubrik Forschung und Entwicklung. Dortmund, 2009.
  • Droste, M.; Keßler, S.: Prozesse von Logistikdienstleistern ganzheitlich planen und gestalten. Vortrag im Rahmen des ersten Industrieworkshops zum Forschungsprojekt. Technische Universität Dortmund am 05.09.2008.
  • Droste, M.; Keßler, S.: zur Anwendung Ganzheitlicher Produktionssysteme bei Logistikdienstleistern. Vortrag im Rahmen des zweiten Industrieworkshops zum Forschungsprojekt. Technische Universität Dortmund am 29.05.2009.
  • Keßler, S.: Gestaltungsrahmens für Ganzheitliche Produktionssysteme bei Logistikdienstleistern. Kolloquiumsvortrag an der Technischen Universität Dortmund am 31.07.2008.
  • Keßler, S.: Ganzheitliche Produktionssysteme für Logistikdienstleister.  Vortrag im Rahmen der Konferenz Logistik Management 2009, Hamburg, 02.-04.09.2009.
  • Uygun, Y.: Studienergebnisse zu Lean Production-Ansätzen bei Logistikdienstleistern. Vortrag im Rahmen des zweiten Industrieworkshops zum Forschungsprojekt. Technische Universität Dortmund am 29.05.2009.


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Kontakt

Sekretariat IPS
Tel.: 0231 755-2652

 

Weiterführende Links

 

*Förderhinweis
Das Forschungsvorhaben (Forschungsvorhaben Nr. 15104 N) ist aus den Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF) im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. gefördert worden.